Hallo Christina,
nach einer überraschend schnellen Fahrt sind wir gut zu Hause angekommen. Nur ganz wenig Regen gab es. Es war kaum Verkehr und nur eine Baustelle bei Frankfurt, in der wir knapp 5 Min. gestanden haben. Glück gehabt!
Habt auch ihr Glück gehabt? Die Unwetterschäden in Niedersachsen gingen auch hier durch die Nachrichten. Wir hoffen, euch ist kein Schaden entstanden.
Ich muß dir unbedingt erzählen:
Gestern und heute hatten Holly und ich gleich mehrere Wildbegegnungen auf unseren Spaziergängen. Wir gegen morgens gegen 6 h und abends gegen 21 h in den Wald bzw. durch die Wingerte:
1) Zuerst ein Wildschwein ich warf einen Stock, der „Fels“ ging hoch und Holly hinterher. Ich rief sie ab und sie kam innerhalb weniger Sekunden zurück.
2) Dann haben wir ein Reh getroffen es stand an der Ecke und sah uns entgegen. Als es loslief wollte Holly, die so gut 20 Schritte vor mir war, hinterher. Ich rief sie beim Namen und warf einen Stock, sowie sie bei mir war. Sie jagte dem Ding hinterher und war happy und ich belohnte sie durch ein intensives Spiel.
3) Dann schoß sie urplötzlich auf einen „Putzlappen“ los. Der Putzlappen entpuppte sich als recht wehrhafter Dachs. Der rannte nich und also blieb sie ziemlich ratlos in einiger Entfernung stehen. Sie guckte zu mir und ich reagierte nicht. Da begann sie mit Spielaufforderung und Spielkläffen. Aber immer hübsch auf Abstand. Ich rief „hier“ und sie kam und saß sauber vor. Der Dachs lief immer noch nicht weg und da ich ihn gerne aus größerer Nähe betrachten wollte ging ich mit ihr näher. So ca 5 m vor dem Dachs kauerte ich mit Holly neben mir nieder und dankte dem Dachs dafür, das er Holly nicht gebissen hat. Der dachte sich: „Ich glaub’ das nicht“ und verzog sich rückwärts in seinen Bau. Ich ging mit Holly dann auch. Vorsichtshalber ebenfalls rückwärts.
4) Und als wir vom Büro zurückkamen latschte uns im Wendekreis vor unserem Haus Nachbar’s Katze fast schon über die Füße. Der Wendekreis liegt in der prallen Sonne und es ist viel zu heiß um zu rennen. Die Katze blieb ruhig, ich legte Holly ab, ging zu Lützelinde und streichelte sie. Als sie dann ging rief ich Holly zu mir und wir gingen ins Haus. Wohl gemerkt, ohne das Holly zum Jagen auch nur ansetzte und das, obwohl die Mieze ja jetzt lief. Erinnerst du dich daran, was ich dir vor dem Urlaub schrieb: Holly sieht die Katze, setzt zum Jagen an, ich rufe „Nein!“, Holly stoppt, guckt mich erstaunt an: Wie, nein?“ und hetzte der Katze hinterher!
Nach Hollys Schulzeit haben wir nun nur noch ein Problem: Wenn sich nun längere Zeit niemand um sie kümmert macht sie Mädchen, fängt an zu robben oder läuft mir zwischen den Beinen durch und probiert alles gelernte aus, um mich dazu zu bringen, mich mit ihr zu beschäftigen. Wie gewöhne ich ihr das nur wieder ab ? J:))))
Es ist ein unbestreitbarer Vorteil eines zusammenhängenden Urlaubes mit Hund, das man selbst täglich zweimal für 2 Stunden trainiert wird und sich so intensiv mit den eigenen Fehlern auseinanderzusetzen lernt. Richtige Verhaltensweisen „schleifen“ sich ein, die Beobachtung des Hundes und die richtigen Reaktionen manifestieren sich und falsche Verhaltensweisen und Mißverständnisse erledigen sich durch die permanente Erfahrung im Umgang mit dem Hund und deine permanente Korrektur von selber.
Das ist in einem Hundeverein mit 1-2 Trainingseinheiten pro Woche gar nicht möglich. Zumindest dauert es viel, viel länger, bis man soweit kommt, wie wir in nur 10 Tagen Urlaub in der Hundeschule gekommen sind. Wenn ich 10 Tage und 640 €uronen umrechne auf ein evtl. 15 Jahre langes Hundeleben, dann war das ein sehr geringer Aufwand für dieses tolle Ergebnis, das sich ja nicht nur in dem besseren Gehorsam des Hundes bemißt..
Nach einem solchen Urlaub ist alles viel einfacher: Holly ist durch die richtige Ansprache, die sie nun erfährt, viel führiger. Holly achtet mehr auf den Uwe und mich und umgekehrt. Diese intensivere Kommunikation führt dazu, das Holly neue Dinge viel schneller aufnimmt und umsetzt.
Du weißt ja, das wir unsere 14 Jahre alte Cora vor drei Monaten einschläfern lassen mußten und wie sehr Uwe und ich sie vermissen. Nach meiner Zeit im Rollstuhl und den vielen Erlebnissen mit Cora ist meine Verbindung zu Cora ungebrochen eng. Es gibt keinen Weg hier auf dem sie nicht bei mir war (und ist) und „mein Schatten“, wie jeder sie hier in Haardt nannte, ist im Wald und in den Wingerten, in den Feldern und am See, im Haus und in unserer Firma um mich herum. Sie mußte gehen doch ihre Seele ist überall, wo auch ich bin.
Nach ihrem Tod fühlte ich die Sonne nicht mehr auf der Haut und den Wind nicht mehr in meinem Haar. Der Frühling roch nicht nach Frühling und das Leben schmeckte schal.
Dann kam Holly am 20.5. zu uns und immer war da eine Distanz. Sie kam nicht wirklich an mich heran.
Wir sind in den 10 Tagen bei euch nun viel näher zusammengewachsen. Wir haben unseren neuen, jungen Hund und unser Hund, der beim Züchter im Rudel aufgewachsen war und nun in einer Familie als Einzeltier lebt, hat uns besser kennengelernt und wir fühlen uns nun wirklich gut miteinander. Ohne die Zeit bei euch hätte es sicher viel länger gedauert, bis dieses Gefühl sich einstellt.
„Heidi und ihr Schatten“ das ist vorbei. Nun reden die Nachbarn von „Holly und Heidi Heigel von der Haardt“ („Haardt“ heißt unser Ortsteil) das ist die Gegenwart und die Zukunft.
Liebe Cristina, du hattest viel Geduld mit mir und hast einen wirklich tollen Job gemacht, indem du die Ausbildungsmethode meinen Eigenheiten und Fähigkeiten angepaßt hast. Danach war ich glaubhafter für Holly und die „Arbeit“ machte nun so richtig Spaß. Ich habe viel von dir gelernt und wir werden noch lange davon profitieren. Ich danke dir recht herzlich und wenn ich dich jetzt vor mir hätte, würde ich dich trotz der Hitze umarmen und feste drücken.
Viele liebe Grüße,
Heidi Heigel